Charité-Studie zu Interaktion zwischen Immunsystem und Tumorzellen

18.11.2009 - Pressemitteilung

Wann wirkt Chemotherapie bei Brustkrebs?

Charité-Studie zu Interaktion zwischen Immunsystem und Tumorzellen


Der Erfolg einer Chemotherapie bei Brustkrebs hängt stark vom Immunsystem der Patientin ab. Das beschreiben jetzt Forscher der Charité

Pathologie am Campus Charité Mitte hat in Zusammenarbeit mit der German Breast Group und Siemens Healthcare Diagnostics

herausgefunden, dass eine Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen besonders gut wirkt, wenn bereits vor Beginn der Behandlung

Abwehrzellen im Tumorgewebe festzustellen sind. Dann ist das Immunsystem im Bereich des Tumors aktiviert und kann die Wirkung der

Chemotherapie verstärken. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor unter der Therapie vollkommen verschwindet, ist in diesem Fall deutlich

höher.

Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. In vielen Fällen wird vor oder nach der Operation eine Chemotherapie

durchgeführt. Ziel ist es, diese nur mehr dann einzusetzen, wenn die Patientin wirklich davon profitiert. Wie bei anderen Krebserkrankungen

spielen auch beim Brustkrebs bereits seit mehreren Jahren so genannte Biomarker eine Rolle. Sie werden im Tumorgewebe bestimmt und

geben Hinweise, ob und wie eine Behandlung individuell wirkt. Das hilft den Medizinern, für jede Patientin die optimale Therapie zu finden.

Die neuen Forschungsergebnisse der Berliner Wissenschaftler weisen jetzt darauf hin, dass immunologische Biomarker im Tumorgewebe

die etablierten Diagnostikmethoden ergänzen können.

Im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Berliner Krebsgesellschaft geförderten Studie wurden

über 1000 Gewebeproben betrachtet. Das Gewebe wurde vor der Chemotherapie aus dem Tumor entfernt. Die Charité-Wissenschaftler

beurteilten unter dem Mikroskop jede Probe, um Entzündungszellen, so genannte tumor-assoziierte Lymphozyten, nachzuweisen.

Ergänzend wurden immunologische Biomarker getestet.

Bei einem Teil der Patientinnen war der Tumor nach der Chemotherapie bereits vor der Operation vollständig verschwunden. Wenn im

Tumorgewebe vermehrt Abwehrzellen vorhanden waren, hat die Chemotherapie bei etwa 40 Prozent der Patientinnen den Tumor

erfolgreich zerstört. Hingegen erfolgte ohne diese Abwehrzellen bei nur drei bis sieben Prozent eine komplette Auflösung des Tumors.

Die Ergebnisse bieten neue Möglichkeiten für die Entwicklung diagnostischer Tests.

und unnötige Nebenwirkungen vermeiden neue Ansätze zu finden, um Tumore noch besser zu bekämpfen.

Universitätsmedizin Berlin im aktuellen Journal of Clinical Oncology*. Die Arbeitsgruppe um Prof. Carsten Denkert vom Institut für„Wir können dann Chemotherapien gezielter einsetzen“, sagt Prof. Denkert. Der Forscher hofft, durch die Kombination von Chemo- und Immuntherapie

Carsten Denkert, Gunter von Minckwitz et al.: Tumor-Associated Lymphocytes As an Independent Predictor of Response to Neoadjuvant Chemotherapy

in Breast Cancer. In: Journal of Clinical Oncology, November 2009. DOI:10.1200/JCO.2009.23.7370

Kontakt:

Prof. Carsten Denkert

Institut für Pathologie

Charité

Campus Charité Mitte

t: +49 30 450 536 047

Universitätsmedizin Berlin