GBG Jahrestreffen 2009

Pressemitteilung
6. GBG-Jahrestreffen, 19./20. Februar 2009, Frankfurt/M.

 

Jeden Tag sterben in Deutschland 52 Frauen an Brustkrebs. Brustkrebs ist eine der Haupttodesursachen für Frauen zwischen 35 und 60 Jahren. Bei 50.000 Neuerkrankungen und 19.000 Todesfällen ist der Kampf gegen Brustkrebs eine der größten gesundheits-politischen Herausforderungen der Gegenwart. Jede Patientin möchte mit der besten verfügbaren Therapie behandelt werden. Sie möchte, dass die neuesten Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung genutzt werden, um ihr zu helfen und sie möchte, dass zuverlässig und intensiv an neuen, noch besseren Therapieverfahren geforscht wird. Dank klinischer Studien wurden in den letzten Jahren bei der Behandlung von Brustkrebs spektakuläre Fortschritte erzielt. Anlässlich des 6. Jahrestreffens der German Breast Group (GBG) informieren Ärzte und Wissenschaftler zu dem aktuellen Studienstand der German Breast Group auf dem Gebiet des Mammakarzinoms, bundesweit und international. Weiterhin werden die internationale Erfahrung auf dem Gebiet der klinischen Studien und gemeinsame Kooperationen dargestellt.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung (ca. 25%) bei Frauen in Deutschland. Das mittlere Lebenszeitrisiko von Frauen an Brustkrebs zu erkranken, beträgt in Deutschland 9,2%, jede 11. Frau erkrankt im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs. Im Vergleich zu den EU-Ländern nimmt Deutschland sowohl bei der Bruststerblichkeit als auch bei der Neuerkrankungsrate eine mittlere Position ein. Die Altersgipfel liegen zwischen dem 45. und 50. und zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Die Prognose des Brustkrebses ist trotz verschiedener komplexer Therapieansätze, immer noch ungünstig. Insgesamt versterben 50% der Frauen, die an einem Mammakarzinom erkranken. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 80% und damit günstiger im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen, wie z.B. Lungenkrebs mit 15% oder Magenkrebs 31% (RKI 2007). Die relative 5-JahresÜberlebensrate reicht jedoch zur Beurteilung der Überlebensaussichten von Patientinnen mit Brustkrebs alleine nicht aus. Wesentliche Prognosefaktoren, wie Tumorgröße, Anzahl befallener Lymphknoten, Hormonrezeptorenstatus und feingewebliche Stadialisierung, beeinflussen das Gesamt- und progressionsfreie Überleben.

Die Therapie des Mammakarzinoms beruht auf drei Säulen. Grundsätzlich stehen als Behandlungsmöglichkeiten die Operation, die Strahlentherapie und die medikamentöse Therapie (Zytostatika, Hormontherapie, zielgerichtete Therapien) zur Verfügung. Ausschlaggebend sind Tumorgröße, histologische Eigenschaften des Tumors, Hormonrezeptorstatus, Metastasierung sowie Menopausen-Status. Um die Verbesserung der Prognose und Optimierung von Prävention, neo- und adjuvanten und palliativen Behandlungsformen des Brustkrebses durch neue Therapieansätze untersuchen zu können, werden die Patientinnen deutschlandweit und international im Rahmen der GBG-Studien behandelt.

Die Top GBG Studien werden dargestellt. In der Neoadjuvanz ist die Gepar Quinto Studie (ein Phase III-Studienprogramm zur Kombination von Bevacizumab, Everolimus (RAD001) oder Lapatinib mit einer neoadjuvanten Chemotherapie bei primärem Mammakarzinom), in der 2500 Patientinnen behandeln werden sollen, beachtenswert zu erwähnen. Die Studie hat inzwischen knapp 600 Pat. eingeschlossen.

In der Adjuvanz ist die Rekrutierung NNBC-3 Studie (randomisierter Vergleich adjuvanter Chemotherapieschemata (6x FEC vs. 3x FEC  3x Docetaxel) bei Patientinnen mit nodal-negativem Mammakarzinom und hohem Rezidivrisiko; in Kooperation mit AGO und EORTC Receptor and Biomarker Group) abgeschlossen. Diese Studie untersucht die Therapieoptimierung bei Patientinnen mit einem erhöhten Risiko und wie gut die Risikoklassifikation anhand klinisch-pathologischer Risiko-Selektionskriterien im Vergleich zu biochemischen Risiko-Selektionskriterien ist. Ein Nachfolgekonzept ist angedacht.

Das Modell der Risikoselektion wurde in die jetzt neu startende Nachfolgestudie für die ältere Patientin (ICE II - Investigational Chemotherapie for Elderly) integriert, um zu gewährleisten, dass die rüstige ältere Patientin mit einem erhöhten Rückfallrisiko in dieser Studie, die zwei sog. Polychemotherapien miteinander vergleicht, eingeschlossen wird. Die Nachfolgestudie der erfolgreich beendeten German Adjuvant Intergroup Node positive Study (GAIN-Studie) die PANTHER Studie, wird gemeinsam mit den Schwedischen, Finnischen und Österreichischen Brustkrebsstudiengruppen durchgeführt und verfolgt das Konzept, der an die Nebenwirkungen angepassten Dosierung der Chemotherapeutika.

Auf dem Sektor der Studien zur Therapie des fortgeschrittenen und metastasierten Mammakarzinoms sind zwei Studien zu beachten, die sich in der Risikoselektion der Patientinnen ideal ergänzen. Die LEA Studie kombiniert den VEGF Antikörper Bevacizumab mit einer Gegenhormonbehandlung und die TABEA Studie kombiniert eben diese Substanz mit zwei zu vergleichenden Chemotherapieansätzen.

Eine bedeutende, anspruchsvolle Mission der German Breast Group ist die Forschung auf dem Gebiet des Mammakarzinoms zu fördern, sowie die Kommunikation zwischen Klinikern und Forschern zu verbessern. Diesbezüglich wurden bereits zahlreiche begleitende Forschungsprojekte im Rahmen der GBG Studien etabliert. Insgesamt 5 Universitätskliniken und 3 Forschungszentren aus dem In- und Ausland sind involviert.

Jedes an den klinischen Studien beteiligte Zentrum verwendet die gleichen Standard Operating Procedures, um Biomaterialien, wie Blut- und Tumor-Gewebsproben zu asservieren.

Im Jahr 2009 werden mit der Gründung eines weiteren wissenschaftlichen Gremiums auch die Fragen zur Verbesserung der Operationen in den Fokus der GBG rücken. Als akademisch-orientiertes Forschungsinstitut führt die GBG klinische Studien basierend auf den Ideen deutscher und internationaler Brustkrebsexperten durch. Unter dem Motto „Heilung durch Innovation, Kompetenz und Partnerschaft“ sind in mittlerweile über 60 Studien mehr als 30.000 Teilnehmerinnen eingeschlossen und die Ergebnisse publiziert worden oder sie befinden sich noch in Durchführung. Die GBG ist zu einem mittelständischen Unternehmen mit 110 Beschäftigten gewachsen und entwickelt sich weiter dynamisch. 2008 nahmen 4300 Patientinnen an Studien der GBG teil. Mehr als 500 nationale und internationale Einrichtungen gehören zu diesem Netzwerk.

Kontakt:

Lejla Valjevcic oder Stefanie Hildebrandt
GBG Forschungs GmbH
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