AGO Mamma Update 2009

Überarbeitung und Aktualisierung der AGO Empfehlungen zum Mammakarzinom

Brustkrebsexperten präsentieren die 8. Überarbeitung und Aktualisierung der
AGO Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie primärer und metastasierter
Mammakarzinome

Die von der AGO Kommission Mamma erstellten und in jährlichen Abständen
revidierten „Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie primärer und metastasierter
Mammakarzinome“ haben seit ihrem Bestehen große Beachtung gefunden. Der
schnelle wissenschaftliche Erkenntniszuwachs macht eine jährliche Aktualisierung
notwendig.
Wenige Wochen nach dem wichtigen amerikanischen Brustkrebskongress in San
Antonio (30. San Antonio Breast Cancer Symposium) im Dezember 2008 hat die
AGO Kommission Mamma bereits die deutschen Leitlinien überarbeitet.
Entgegen des 2jährigen Rhythmus hat man sich entschlossen, dieses update in einer
Eintagesveranstaltung der Öffentlichkeit in Frankfurt /M am 20.Februar 2009 zu
präsentieren.
Prof. Dr. med. Christoph Thomssen, Sprecher der AGO Kommission Mamma, Prof.
Dr. med. Gunter von Minckwitz, stellvertretender Sprecher, Prof. Dr. med. Nadia
Harbeck, Universitätsfrauenklinik der Technischen Universität München, Prof. Dr.
med. Volker Möbus, Leiter der Frauenklinik an der städtischen Klinik Frankfurt /m
Höchst sowie PD Dr. med Sibylle Loibl von der German Breast Group standen den
anwesenden Pressevertretern Rede und Antwort.
Schwerpunkt der Überarbeitung 2009 ist die stringente Dokumentation der
Literaturreferenzen für die einzelnen Statements sowie weitergehende
Hintergrundinformation. Darüber hinaus wurde in diesem Jahr erstmals eine Leitlinie
für Patientinnen vorgestellt, die die Empfehlungen in allgemeinverständlicher
Sprache darbietet.
Inhaltliche Änderungen in aller Kürze:

  • Adjuvante endokrine Therapie postmenopausal: Wie sind Aromatasehemmer in der adjuvanten Therapie regelhaft zu platzieren?
  • Adjuvante Chemotherapie: Die Liste der inzwischen zahlreichen Taxanhaltigen Regime wurde komplettiert. Besonderes Augenmerk wurde auf dieBedeutung dieser Regime beim nodal-negativen Mammakarzinom gelegt.
  • Pathologie: Komplette Überarbeitung, der Pathologe ist entscheidender Partner bei der Behandlung des Mammakarzinoms
  • Familiärer Brustkrebs: Die Indikationen und Methoden zur prophylaktischen beidseitigen Brustentfernung wurden genauer gefasst.
  • Neoadjuvante Therapie: Dieses Kapitel wurde komplett überarbeitet. Hier wurden die speziellen Aspekte wie z.B. frühe Beurteilung des Ansprechenshervorgehoben.
  • Zielgerichtete Therapie: Neue Therapieansätze wurden bewertet und ihre für die Behandlung des Brustkrebses positioniert.
  • Nebenwirkungen: Das Kapitel wurde neu strukturiert und erweitert um die unter den neuen Substanzen auftretenden Nebenwirkungen und deren Spezialität.
  • Neu hinzugekommen ist das Kapitel Bisphosphonate in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms

Die AGO-Empfehlungen werden auf wissenschaftlicher Evidenz basierend in standardisierter Form erarbeitet. Was bedeutet das?

Forschungserkenntnisse sind häufig widersprüchlich und bedürfen der Interpretation
und Wertung. Dies soll in einer möglichst unabhängigen – auch von der Industrie
unabhängigen Weise – geschehen. Es wurde daher festgelegt, die Leitlinien so zu
erarbeiten, dass persönliche Meinungen zunächst in den Hintergrund gedrängt
werden und die „Fakten“ nach Datenlage (publizierte wissenschaftliche Literatur =
Evidenz) bewertet werden. Dazu wurde das international anerkannte
Bewertungssystem des Oxford Center of Evidence Based Medicine (EBM) eingesetzt
(Levels of Evidence). Die Empfehlungsgrade des EBM Systems beziehen sich strikt
auf konkrete Aussagen aus der publizierten Literatur. Gerade im Bereich der
Onkologie gibt es jedoch für bestimmte klinische Notwendigkeiten (z.B. operative
Fragestellungen, Brustkrebs in der Schwangerschaft, ältere Patientinnen) nur sehr
unzureichende Literatur. Manchmal ist dies darin begründet, dass randomisierte
Studien ethisch nicht möglich sind. Eine reine EBM basierte Leitlinie ist deshalb im
klinischen Alltag oft nicht ausreichend. Für die praktische Anwendung wurden daher
in der AGO Leitlinie die einzelnen Statements zusätzlich mit der Konsensempfehlung
der Kommission Mamma versehen (Empfehlung: AGO +/++, Ablehnung: AGO -/--).

Wozu werden Leitlinien benötigt, welcher Nutzen kann aus Leitlinien gezogenwerden?

Die Grundlagenforschung und die klinische Forschung haben in den vergangenen
Jahrzehnten eine unüberschaubare Zahl von Erkenntnissen zu
Krankheitsgeschehen, Früherkennung und Diagnosestellung und individualisierter
Therapie des Mammakarzinoms erarbeitet. In diesem „Dschungel“ von
Erkenntnissen sollen Leitlinien dem einzelnen Arzt helfen, einen Weg für eine
optimale und individuelle Therapie für seine Patientinnen zu finden.

Die AGO Empfehlungen sind als kurz gefasste Powerpoint-Dias konzipiert.

Überflüssiges und Redundanz soll vermieden werden. In zweijährigem Abstand wird
seitens der AGO eine ausführliche Textversion publiziert. Das Buch für 2009 ist wird
das aktuelle Wissen zum Thema Brustkrebs repräsentieren.
Es gibt ein Nebeneinander von AGO-Empfehlungen und der S3-Leitlinie der
Deutschen Krebsgesellschaft e. V.
Die S3-Leitlinie ist eine auf methodisch höchstem Erarbeitungsniveau geschaffene
Leitlinie. Aufgrund des hohen Zeitaufwandes ist eine Überarbeitung in drei- bis
vierjährigem Abstand realisierbar. Um die Entwicklungen in der Zwischenzeit zu
berücksichtigen, werden in kurzen Zeitabständen neue Erkenntnisse vorgestellt, die
für die praktische Anwendung kommentiert werden müssen. Die AGO Kommission
Mamma hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Erkenntnisse in jährlichen,
manchmal auch kürzeren Abständen zu bewerten, um einerseits eine sinnvolle
Umsetzung neuer Diagnose- und Therapieverfahren zu ermöglichen und anderseits
Wildwuchs ungeprüfter Verfahren zu verhindern. Damit sind die AGO-Empfehlungen
auch eine Grundlage für die S3-Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft zur
Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms.
Die AGO Empfehlungen werden in regelmäßigen Abständen auch international
publiziert. Die Originalfassung der Leitlinie ist in englischer Sprache verfasst, um
einen internationalen Zugriff zu ermöglichen. Aus zahlreichen Ländern ist eine
positive Resonanz zu vernehmen. In Europa gibt der St. Gallen Konsensus alle zwei
Jahre einen Überblick über die weltweite Expertenmeinung und legt
Minimalstandards der Therapie von Brustkrebspatientinnen fest. Der praxisnahe
evidenzbasierte und jährlich aktualisierte Diasatz der AGO-Leitlinien findet
international seine Entsprechung am ehesten in den Leitlinien der amerikanischen
Krebszentren (NCCN) – diese Leitlinien sind jedoch ganz an die US-amerikanischen
Therapiegewohnheiten und an das dortige Gesundheitssystem angepasst.

Ergänzungen:

AGO steht für Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. in der Deutschen
Krebsgesellschaft e. V. und in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe e. V. Den Vorsitz führt Prof. Dr. med Günter Emons, Universitätsklinikum
Göttingen, den stellvertretenden Vorsitz hat Prof. Dr. med. h.c. Manfred Kaufmann,
J.-W.-Goethe-Universität, Frankfurt/M inne. Die AGO Kommission Mamma ist eine
Gruppierung innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V.,
diese wiederum eine Sektion jeweils der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und der
Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. Die AGO Kommission
Mamma hat ca. 40 Mitglieder, vorwiegend Gynäkologen, die auf Brustkrebs
spezialisiert sind. Im Sinne der Interdisziplinarität sind spezialisierte
Radiodiagnostiker, Pathologen, Strahlentherapeuten und Internisten jeweils in
Abordnung ihrer Fachgesellschaften vertreten.
Die AGO Kommission Mamma wurde 2001 gegründet mit dem Ziel, Standards für die
Diagnose und Therapie des Mammakarzinoms (Brustkrebs) in Deutschland zu
erarbeiten und zu formulieren.
Offizielle Publikationsorgane der AGO Kommission Mamma sind die Zeitschriften
„Breast Care“, eine junge wissenschaftlich ausgerichtete Zeitschrift für den
deutschen Raum (in englischer Sprache verfasst) sowie das wissenschaftliche
Hauptorgan der Frauenärzte Deutschlands „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“.

Gesprächspartner in der Pressekonferenz:

Prof. Dr. med. Christoph Thomssen, Universitätsfrauenklinik der Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg (Sprecher der AGO Kommission Mamma)
Prof. Dr. med. Gunter von Minckwitz, German Breast Group Neu-Isenburg
(stellvertretender Sprecher der AGO Kommission Mamma)
Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Universitätsfrauenklinik der Technischen Universität
München
Prof. Dr. med. Volker Möbus, Leiter der Frauenklinik an den städtischen Klinik
Frankfurt /M Höchst
PD Dr. med. Sibylle Loibl, German Breast Group Neu Isenburg

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Lejla Valjevcic oder Stefanie Hildebrandt
GBG Forschungs GmbH
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